Die „ärztliche Beratung für alle“ feiert ihr Jubiläum

2009 ist das AVOS-„Gesundheitsnetzwerk“ ins Leben gerufen worden. Im Fokus steht seit jeher ein niederschwelliger Zugang für alle – inklusive wohnungslose und sozioökonomisch benachteiligte Menschen.

„Es ist super, dass alle mit denen wir kooperieren so aufgeschlossen und engagiert sind und dass die Ärzt*innen hier ehrenamtlich mitarbeiten“, freut sich AVOS-Gesundheitsreferentin Simone Meidl, BA, MA. Die Soziologin und Sozialarbeiterin hat das Projekt 2009 initiiert und begleitet es von Beginn an. Die Gründe, warum etwa wohnungslose und sozioökonomisch benachteiligte Menschen keine Ärzt*innen aufsuchen wollen oder können sind vielfältig und reichen von schlechten persönlichen Erfahrungen über geringe finanzielle Ressourcen und mangelndes Wissen bis hin zu Scham. Initial wurde das Programm vom Land Salzburg und dem Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) finanziert, 2012 hat hier die Salzburger Ärztekammer übernommen.

Monatliche kostenlose Besuche vor Ort

Besonders wichtig in diesem Programm ist ein möglichst niederschwelliger Zugang zu einer Gesundheitsberatung bzw. zu medizinischen Anlaufstellen. „Wir stehen mit zahlreichen Einrichtungen in Salzburg laufend im Austausch. Alle arbeiten zuverlässig mit, die Rädchen greifen ineinander, kurz: Es funktioniert und läuft“, sagt Meidl. Konkret bekommen der Saftladen – eine Einrichtung des Vereins NEUSTART in  der Stadt Salzburg – und die Vinzenzstube der Barmherzigen Schwestern mindestens einmal im Monat Besuch durch einen Arzt, der berät, kleinere Checks wie Blutdruck oder Blutzucker durchführt und im Bedarfsfall an kooperierende Spezialisten weiterleitet, was allerdings nur sehr selten der Fall ist. Von Anfang an ist hier OMR Dr. Rudolf John an Bord, der sich – nachdem sein Sohn seine Praxis in Elsbethen übernommen hat – sozial engagieren wollte. „Einfach, um etwas zurückzugeben“, wie er erzählt. Neben John, der zudem ärztlichen Leiter des Projektes ist, helfen MR Dr. Erich Auer, DDr. Wolfgang Strasser, Dr. Christian Meusburger, Dr. Christian Gruber und Dr. Gerald Eckstein tatkräftig mit.

„Besonders wichtig ist meist einfach die Ansprache“

Generell werden beim AVOS-„Gesundheitsnetzwerk“ die Bedürfnisse der kooperierenden Einrichtungen direkt vor Ort regelmäßig abgeklärt, um so zielgruppenorientiert wie möglich zu agieren. Sozialarbeiter*innen und Einrichtungen tauschen sich regelmäßig mit AVOS aus, bei Bedarf ist Projektbegleiterin Simone Meidl vor Ort anwesend, um direkt mit den Klient*innen in Kontakt zu treten. Diese sind laufend eingebunden und können ihre Bedürfnisse und Wünsche ebenfalls miteinfließen lassen. „Besonders wichtig ist den Wohnungslosen generell oft einfach die Ansprache, jemand der ihnen zuhört und sie ernst nimmt“, berichtet OMR Dr. Rudolf John, der sich selbst bei manchen Schicksalen fragt: „Darf das denn wahr sein?“ So seien manche der Klient*innen ohne Obdach etwa Akademiker, die bei einer Scheidung alles verloren haben und auf der Straße gelandet sind.

Zahlen und Fakten:

Insgesamt 244 Beratungsgespräche und 38 Beratungseinheiten hat es im Jahr 2018 im Gesundheitsnetzwerk für wohnungslose Menschen gegeben. Diese sind von 139 Männern und 105 Frauen in Anspruch genommen worden. 103 davon waren im Besitz einer e-card. Bei jenen ohne entsprechende Karte ist eine „Wiedereingliederung“ in das österreichische Gesundheitssystem ebenfalls ein Teil der Ziele – wie auch der Ausbau des vorhandenen Gesundheitsförderungs-Netzwerks in der Stadt Salzburg. Das erfordert – neben der Finanzierung durch die Salzburger Ärztekammer – vor allem eines: Teamwork. Aktuell sind daran der Saftladen (Verein NEUSTART), die Vinzenzstube (Barmherzige Schwestern), housing first und die Vinzenzgemeinschaft beteiligt. Neben den ehrenamtlich kooperierenden Ärzten, MR Dr. Rudolf John, Dr. Erich Auer, DDr. Wolfgang Strasser, Dr. Christian Meusburger, Dr. Christian Gruber und Dr. Gerald Eckstein sind zudem die Salzburger Landeskliniken, das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und diverse Fachärzt*innen beteiligt. Darüber hinaus gibt es weitere Kooperationen mit anderen Einrichtungen wie dem Vinzibus, dem Bahnhofsozialdienst, dem Frauentreffpunkt, ArMut teilen und dem Verein NEUSTART selbst.

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