"Voll verzuckert: That Sugar Film"

Dr. Petra Burger, Dr. Walter Keidel, Moderator Mag. Armin Raderbauer

„Bösewicht“ Zucker im Fokus: Auf reges Interesse stieß kürzlich die öffentliche Filmvorführung von AVOS Prävention und Gesundheitsförderung „Voll verzuckert: That Sugar Film“ von Damon Gameau in DAS KINO, Salzburg. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit ÄrztInnen und IndustrievertrerInnen wurde deutlich, dass in Österreich ein großer Nachholbedarf in Sachen Information über Zucker und seine Wirkungen besteht.

Zucker, das beliebteste Süßungsmittel Österreichs, stand im Zentrum der Podiumsdiskussion im Rahmen der Filmvorführung „Voll verzuckert: That Sugar Film“. Moderation: Mag. Armin Raderbauer, Uni Salzburg. Dabei kritisierte der Salzburger Zahnarzt Dr. Walter Keidel die Situation in Österreich: „Andere Länder sind in Sachen Kariesprophylaxe besser aufgestellt als wir“,  stellte er die aktuelle Situation dar und verwies auf die skandinavischen Länder, wo es durch Vorsorgeprogramme möglich geworden sei, dass alle Jugendlichen unter 18 Jahren kariesfrei sind. Aus der Sicht des Kinderarztes nannte Priv. Doz. Dr. Daniel Weghuber, Salk, alarmierende Zahlen: „In Salzburg ist fast jedes fünfte Kindergartenkind übergewichtig“, so Weghuber.

Ob allerdings der Zucker bei der Ernährung der „Bösewicht“ sei, darauf konnte keine eindeutige Antwort gegeben werden. „Anders als im Film, ist diese Frage nicht einfach zu beantworten,  betonte Weghuber. Ausschlaggebend für Adipositas (Fettleibigkeit) sei wohl ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren. Unstrittig sei, dass viele Kinder und Jugendliche zu viele gesüßte Getränke konsumieren und dass dies eine wesentliche Rolle in der Entstehung von Übergewicht spiele. „Wo viel Zucker drin ist, ist meistens auch viel Fett drin“, so Weghuber, der auch auf die Gefahren durch zugesetzten Fruchtzucker hinwies. „Man kann sich auch durch Smoothies eine Fettleber züchten“,  so seine pointierte Aussage. „Wichtig ist es, bereits früh, in den Kindergärten und in den Schulen, mit Bewusstseinsbildung in Sachen Ernährung und körperliche Aktivität tätig zu werden“, betonte Weghuber, einer der Initiatoren des Kindergartenpräventionsprogramms „SALTO“. 

Ein wichtiger Faktor sei auch die Beeinflussung der KonsumentInnen durch Werbung für zuckerhaltige Getränke. „Bei der Tabakwerbung konnte ein Verbot durchgesetzt werden zum Schutz der Erwachsenen,  warum sollte das bei Kindern in Sachen zuckerhaltige Getränke nicht möglich sein?“, fragte Dr. Keidel. Dr. Petra Burger, Coca-Cola Österreich, wies darauf hin, dass der Zuckerkonsum in Österreich stagniere und der Konsum von zuckerhaltigen Softdrinks nicht alleine für die Adipositas-Entwicklung verantwortlich gemacht werden könne. „Der Schlüssel zu einer gesunden Ernährung ist Ausgewogenheit und Vielfalt, da haben alle Lebensmittel und Getränke ihren Platz – auch gesüßte Getränke, wenn sie in Maßen genossen werden“, so Dr. Burger. „Um dem Konsumenten eine breitere Wahlmöglichkeit zu bieten, haben wir auch kalorienreduzierte und kalorienfreie Getränke sowie Wasser in unserem Sortiment.“ Sie wies auch auf die freiwillige Selbstbeschränkung von Coca-Cola bei Werbung in Kinderprogrammen hin sowie die Maxime des Unternehmens, Schulen als werbefreie Zone zu respektieren.

Dr. Daniel Weghuber forderte die Umsetzung des EU-Aktionsprogramms gegen Adipositas bei Kindern: „Wenn wir dieses Programm in seinen neun Punkten abarbeiten könnten, wäre dies bahnbrechend und Salzburg würde eine Vorreiterrolle in Österreich einnehmen“, so seine Überzeugung. Dipl.-Ing. Stephan  Savic, AGRANA, wies darauf hin, dass jede extreme Ernährung gesundheitsschädigende Wirkung haben könne und plädierte daher für eine möglichst ausgewogene Ernährung. Aus zahnärztlicher Sicht betonte Dr. Walter Keidel, dass es eine Herausforderung sei, die richtige Dosis von zuckerhaltiger Ernährung zu finden. Die World Health Organisation diskutiere im Übrigen bereits seit 2015 über eine Herabsenkung der maximal empfohlenen Menge an freiem (zugesetztem) Zucker von 10 auf 5 Prozent des täglichen Energiebedarfs . „Das wäre aus zahnärztlicher Sicht sicher zu begrüßen“, unterstrich Keidel. Wichtig sei auch eine dementsprechende Aufklärung der Bevölkerung und eine eindeutige Kennzeichnung des Zuckergehaltes. Mag. Angelika Bukovski von AVOS Prävention & Gesundheitsförderung bedankte sich bei den TeilnehmerInnen der Podiumsdiskussion sowie den rund 100 BesucherInnen für die angeregte Diskussion und wies auf die verschiedenen Angebote hin,  welche den Bildungseinrichtungen zur Verfügung stünden, damit Kinder und Jugendliche in diesem Umfeld  gesunde Rahmenbedingungen vorfinden.  

Zum Film „Voll verzuckert: That Sugar Film“ von Damon Gameau

Was passiert, wenn die Ernährung vor allem aus zuckerhaltigen Lebensmitteln besteht? Diese Fragen stellte sich der australische Schauspieler und Filmemacher Damon Gameau und wagte den Selbstversuch. Nicht etwa Limonade, Eiscreme oder Schokolade stehen dabei im Mittelpunkt, sondern Lebensmittel, die als „gesund“ verkauft werden: ob fettarmer Joghurt, Müsli, Fruchtriegel, Säfte oder Smoothies. 60 Tage lang 40 Teelöffel Zucker täglich aus ebensolchem „Wellness-Food“ zugeführt – so sah Gameaus Diät unter Aufsicht von Wissenschaftlern und Ernährungsberatern aus. Das Ergebnis: Vor seinem Selbstversuch ist Gameau gesund, sportlich und schlank. Zwei Monate später und 2.400 Teelöffel Zucker weiter hat er mehr als zehn Kilogramm zugenommen, sieben Prozent mehr Körperfett, deutlich schlechtere Blutwerte und eine ausgeprägte Fettleber. Und das, obwohl er sein Sportprogramm weiterführt wie zuvor und unverändert maximal 2.300 Kilokalorien täglich – mitunter sogar deutlich weniger – zu sich nimmt. Zusätzlich ist er deutlich gereizter,  "braucht" Zucker, um zu funktionieren, und entwickelt sogar Entzugserscheinungen nach dem Stopp seiner „Zucker-Diät“. Sein Film darüber wurde kürzlich  im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung von AVOS Prävention & Gesundheitsförderung im Rahmen des AVOS-Programms „Gesunde Volksschule“ gezeigt. Mehr Infos dazu unter www.gesundeschule.salzburg.at

Die Veranstaltung wurde gefördert vom LAND SALZBURG GESUNDHEIT, der SGKK, UNIQA und EZA. Weitere PartnerInnen waren Landesschulrat für Salzburg und der Gesundheitsförderungsfond Salzburg.

Copyright Foto: AVOS/Binder